diese WG

Ihr wollt nun also wissen, wie es zu dieser Wohngemeinschaft kam … nun, eins möchten wir klar herausstellen: Es war weder Teufelswerk noch Hexerei. Nein, es geschah in einer wahrhaft seltsamen Dimension, die unter Eingeweihten schlicht Twitter genannt wird. Dort, an diesem ganz normalen Tag beschwerte sich ein Teil der Anwesenden gerade über die scheinende Sonne, ein anderer über den starken Regen, während jeder so seinem Tagewerk nachging. Und dann geschah es!

Der Uralte Drache bemerkte bei seinem Spaziergang durch die Dimensionen einen Aushang über einen Wettstreit der Poeten. Eine Quest, die ihn gänzlich in seinen Bann zog und die er aus einer spontanen Laune heraus annahm. Seine Feder war gezückt und los ging’s! Doch … nachdem sein Werk getan war, wusste er nicht so recht, was er damit anstellen sollte.

Dem Aushang zufolge sollte man sein Schriftstück in einer verwandten, wenn auch ungleich größeren Paralleldimension von Twitter, einem großflächigeren Teil des sagenumwobenen und mystischen WWW hinterlassen. Wesen aller angeschlossenen Dimensionen sollten darauf Zugang haben, wenn die Initiatoren des Wettkampfes den Startschuss gäben. Das war ein Problem, stellte der Drache fest, hatte er zwar Grund und Boden in fast jeder Dimension die er im Laufe der Äonen besuchte, doch nichts Passendes für seinen Text.

Allerdings kam ihm der Zufall ein weiteres Mal zur Hilfe, denn als er seine Geschichte nochmals las und sich darüber freute, kam eine Junge Maid vorbei. June Is war ihr Name. Die Wege der beiden kreuzten sich gelegentlich in der Twitterdimension. Dass es brühtend Heiß, eiskalt, zu trocken und nass gleichermaßen, überdies auch viel zu stürmig war, muss hier nicht extra erwähnt werden. Kenner wissen Bescheid.

Die beiden kamen ins Gespräch. Dabei stellte sich heraus, das auch June Is den Aushang gelesen hatte, doch vor einem ähnlichen Problem wie der Drache stand. Scherzhaft überlegte man, eine WG zu gründen, um Abhilfe zu schaffen. Danach ging jeder wieder seiner Wege, wie es in dieser Dimension so Brauch ist.

Und das könnte es gewesen sein.

Aber das holde Fräulein war in Not. Und nicht einmal seinetwegen? Nein! Das konnte ein Drache nicht akzeptieren! So besorgte er ein hübsches Stück Land und überraschte die Maid am nächsten Tage damit, als sie sich erneut begegneten.

June Is war überrascht und begeistert zu gleichen Teilen. Die Buchstaben-WG war auf einmal zum Greifen nah. Kein Text würde mehr in den Dimensionen das WWW verloren gehen, jeder noch so unbedeutende Satz könnte einen Platz zugewiesen bekommen. Hach, war das aufregend!

In den darauffolgenden Tagen hob man auf dem Drachengrundstück ein Fundament aus. Zusammen wurde gewerkelt, man prüfte die Grundmauern, tünchte die entstehende Fassade in Farbe und füllte die WG schließlich mit erstem Interieur.

Zufrieden mit unserem Werk präsentieren wir euch die Buchstaben-WG.

Doch mittlerweile ist es einige Zeit her, dass die WG gegründet wurde. Und obwohl der @uralterDrache und June Is gerne zu zweit wohnten, war die Buchstaben-WG groß und viele der Zimmer unbewohnt: was da an Heizkosten für leere Räume verplempert wurde…

Außerdem fehlte noch jemand der die WG morgens früh zuverlässig mit Kaffee, Tee und Kakao versorgte, und ein paar Pflanzen für das Raumklima konnten auch nicht schaden. Da traf es sich gut, dass der Drache bei einem seiner Observierungsflüge in der Twitterwelt auf den literarischen Sonnenhut SonnyPi traf, der hin und wieder Ableger produzierte und diese in Bildform präsentierte. Der Drache besprach sich mit seiner Mitbewohnerin June Is und beide befanden, dass so ein sonniger Mitbewohner gut in ihre WG passen könnte.

Auch SonnyPi war gleich Feuer und Flamme (Und nein. Der Drache hatte sie nicht in Brand gesteckt) und strich sogleich eins der großzügig geschnittenen Zimmer mit Süd/Westbalkon in (natürlich) sonnengelb, um sodann dort einzuziehen.

Doch während SonnyPi noch farbekleckst den Pinsel schwang, klopfte ein weiteres Wesen an die Türen dieser sagenumwobenen Wohngemeinschaft. June Is und vor allem der Drache waren erstaunt, was für ein Wesen sie begrüßte. Der Huf, der geklopft hatte, gehörte zu einem schwer gerüsteten Pony mit voll bepackten Satteltaschen, das die beiden jetzt mit großen Augen anblickte und um Aufnahme bat.

June Is war sofort hin und weg, nur der Drache hatte seine Probleme mit dem Zuckerfaktor des Neuankömmlings. Um besser damit klarzukommen, stellte er sich einfach vor, bei dem Pony würde es sich um einen Waschbären handeln. Tatsächlich hatte der Drache das Pony schon lange Zeit gekannt, war aber immer davon ausgegangen, dass es sich um einen Waschbären handeln musste. Mit der Zeit ging das so weit, dass das Huftier auch auf diese Bezeichnung reagierte, wohl wissend, dass man nur es meinen könnte.

Viel hat das Pony allerdings bisher noch nicht aus seinen Satteltaschen ausgeräumt, doch wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis es sich hier heimisch fühlen wird und an der Seite der anderen WG-Bewohner einer goldenen Zukunft entgegensieht.