Einschränkungen

Dies ist ein möglicher Handlungsstrang der Geschichte Nummer Sicher:

Doch die Hardliner in der deutschen Regierung setzten sich durch. Sie argumentieren damit, dass jedwede Lockerung einen sofortigen Anstieg der Infektionszahlen zur Folge hätte. Bestärkt durch die Einschätzung führender Virologen, die bestätigten, dass bisher nur ein kleiner Teil der Bevölkerung mit dem Virus in Berührung gekommen war, verschärften sie die bisherigen Maßnahmen nach bayrischem Vorbild weiter. Alles wurde dem Kampf gegen den Virus untergeordnet. Ziel war nicht länger, das Gesundheitswesen vor einer Überlastung zu schützen. Vielmehr sollte der Virus gänzlich zurückgedrängt werden. Fast durchgängig wurde die Bevölkerung mit Zahlen bombardiert, die die Gefährlichkeit des Virus unterstrichen und die unermüdliche Arbeit der Regierung hervorhoben. Vom Krieg gegen den Virus war die Rede, gegen den man mit aller Härte zurückschlagen musste. Und während die eine Hälfte der Deutschen zu Hause hockte und sich die andere dank veränderter Arbeitsrechte 12 Stunden und länger abrackerte, schafften es die Organe der Europäischen Union nicht, einen gemeinsamen Konsens zu finden.

Die Europäische Solidarität, schon vorher ein oft beschworenes, doch selten praktiziertes Gut, zerfiel zusehends. Die einzelnen Nationalstaaten, warfen sich gegenseitig vor, für die Krise verantwortlich zu sein. Alle riefen nach Hilfe, doch kein Staat war willens, diese auch zu gewähren. Stattdessen hamsterten die Mitgliedsstaaten Ressourcen, wo sie nur konnten.

Als Viktor Orban sich schließlich ungestraft zum Gottkönig von Ungarn erklärte, brachen auch die letzten Dämme des Europäischen Gemeinschaftsdenkens. In Italien, dem meist gebeutelten Land der EU, wurde die  Regierung gestürzt und nur Tage später marschierte das Land in die Schweiz ein. Als Rechtfertigung propagierte die neue Regierung die Beschaffung von medizinischen Vorräten, die angeblich durch die Schweiz gehortet wurden.

Auch in Deutschland kam es zu Unruhen, als die Polizei mehrere Demonstrationen gewaltsam auflöste. Plünderungen von Geschäften und mehrere Überfälle auf Lebensmitteltransporte waren die Folge. Der Staat geriet unter Druck, seine Handlungsfähigkeit zu beweisen, und der frisch gewählte neue Bundeskanzler Söder befahl hart durchzugreifen. Supermärkte und andere systemrelevante Strukturen wurden fortan von der Bundeswehr beschützt. LKWs mit Gebrauchsgütern und Lebensmitteln durch Polizeieskorten begleitet. Die gesamte Bevölkerung wurde unter Hausarrest gesetzt. Nur Personen mit Sondergenehmigungen durften sich noch im öffentlichen Raum bewegen.

Auch die spanische Regierung griff hart durch. Als kurz nacheinander das Baskenland und Katalonien sich gegen die kompromisslosen Maßnahmen wandten und sich zu unabhängigen Kleinstaaten ernannten, gliederte sie ihr Mutterland brutal und blutig wieder ein.

Der stolzen französischen Nation erging es nicht besser. Nach wochenlangen Straßenschlachten in Paris und mehreren Großstädten des Landes liefen Teile des Militärs zu den neuen Revolutionären über. Der folgende Bürgerkrieg verwüstete weite Teile des Landes und verursachte viel Hunger und Leid.

US-Präsident Trump hatte ähnliche Probleme und wagte die Flucht nach vorn. Er unterstellte China öffentlich, den Virus absichtlich in die Welt freigesetzt zu haben, um die freie Welt zu schwächen und anschließend aufkaufen zu wollen. Zudem behauptete er, dass die der Weltöffentlichkeit gezeigten Gegenmaßnahmen nur Fakenews waren, um zu verschleiern, dass der chinesische Geheimdienst für den Ausbruch des Virus in Amerika verantwortlich war. Trumps Forderung einer Reparationszahlung in zehnstelliger Billiardenhöhe wiesen die Chinesen empört zurück und erklärten ein Handelsembargo gegen die USA. Trump befahl daraufhin chinesisches Kapital auf dem Weltmarkt zu beschlagnahmen, um so die vermeintlichen Staatsschulden Pekings einzutreiben. Die chinesische Reaktion folgte prompt. Das Land stieß auf einen Schlag sämtliche Dollarreserven ab, die es in den letzten Jahrzehnten gehortet hatte. Über Nacht verlor die einstmals führende Weltweit begehrte Währung jeglichen Wert, was die schon schwer in der Rezension befindlichen USA endgültig an den Rand des Zusammenbruches führte.

Das US-Militär, von Trump gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt, beklagte eine zunehmende Anzahl Fahnenflüchtiger, während es im Inland versuchte die Ordnung aufrecht zu erhalten. Bürgermilizen schossen wie Pilze aus dem Boden und versuchten ganze Bundesstaaten unter ihre Kontrolle zu bekommen. Dachte die Welt bisher, die Bilder der Leichen aus Paris und Madrid wären unfassbar, wurden sie nun eines Besseren belehrt. Gegen das Arsenal an Waffen, das die Amerikaner gegen einander richteten, waren die Straßenschlachten in Europa nur ein kleines Vorgeplänkel.

Als die Situation in den USA endgültig eskalierte, ermächtigte die mexikanische Regierung schließlich seine Grenzschützer auf US-amerikanische Flüchtlinge zu schießen, wenn diese versuchten illegal die Grenze zu überqueren. Die halbfertige Grenzmauer wurde in panischer Geschwindigkeit weiter ausgebaut, um dem Andrang der Menschen Herr zu werden, die aus den USA zu fliehen versuchen.

Trump, der derweil durch umfassende Befugnisse faktisch alleine regierte, befahl nun amerikanischen Kriegsschiffen chinesische Handelsschiffe, die Hilfsgüter von Asien nach Europa transportierten, aufzubringen und deren Ladung zu beschlagnahmen. China reagierte seinerseits mit Drohungen und begann, Schiffe unter US-Flagge zu annektieren. Als es kurz nach einander zu mehreren Seeschlachten zwischen der amerikanischen und der chinesischen Flotte kam, drückte Trump den roten Knopf und ließ ein Dutzend Ziele mit Nuklearwaffen beschießen. Durch eine Unachtsamkeit des Präsidenten, dessen geographische Kenntnisse nur bescheiden ausgeprägt waren, war eines der Ziele die Stadt Wladiwostok. Die Gegenmaßnahmen des Kremls und aus Peking waren verheerend. Bevor Washington im nuklearen Feuer gleich dreier Atomexplosionen eingeschmolzen wurde, entlud Amerika jede noch funktionsfähige und einsatzbereite Rakete, die sie hatten. Die sogenannte menschliche Zivilisation versank unter dem Blitzgewitter der Bombendetonationen in den Tiefen der Geschichte, als der folgende nukleare Winter der Erde ihre nächste Eiszeit bescherte. Den wenigen Überlebenden und ihren verstrahlten Nachfahren blieb nichts als der tägliche Kampf ums Überleben und die Hoffnung, dass es irgendwann zu einer Klimaerwärmung kommen würde, die ihre Vorfahren vorhergesagt hatten.

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