„Lesegasmus“-Challenge

Hallo Zusammen!

Dieses bitte nicht ernstzunehmende Stück Text entstand an einem Montag, sprich heute, für Margrets Lesegasmusbox-Gewinn. Nachzulesen hier.
Die vertexteten Schlagworte sind:
Scherben
Pappel
Schnee
Königin
Name
Tulpe
Sehnsucht

Die meisten haben gleich in einem Tweet geantwortet, mir war aber irgendwie  nach etwas Längerem und ein bisschen „Fiesem“. Die satirische Textsorte findet man generell viel zu selten. Außerdem kennen viele die Doppelbelastung, der sich Mütter jeden Tag stellen müssen. Ich hoffe, ihr könnt darüber ein bisschen schmunzeln.
Und an die Herren der Schöpfung: Ich mag euch trotzdem <3
Viel Spaß!

Stressed out

Was für ein Arbeitstag! Ich hatte alle skeptischen Vertragspartner über den Tisch gezogen. Der Deal war durch und ich konnte nach Wochen voller Überstunden und Aufopferung endlich entspannt nach Hause gehen. Meinen Namen würden die nicht so schnell vergessen! Dafür hätte ich beinahe vergessen, wie sich Entspannung anfühlt.  Ich atmete tief durch und wusste, heute würde eine neue Ausgabe meines Lieblingsmagazins im Briefkasten sein. Meine Brut belächelte mich jedes Mal, Mama, wie altmodisch, eine echte Zeitung! Umweltverschmutzung noch dazu, wie viele Pappeln da wohl draufgegangen seien. Bla, bla, bla. Wer hat die nur so nachhaltig erzogen?
Ach, sei’s drum. Sollen sie doch viereckige Augen am Tablet bekommen!
Ich roch an meinem eben gekauften Badezusatz. Die Sehnsucht nach warmen Wasser brachte mich fast um. Das war zur Beruhigung genau das Richtige – und meine JoyDivision zum Blättern!
Vorher musste ich es nur irgendwie bis ins Badezimmer schaffen.
Freudig rannte ich durch den Schnee vor unserer Einfahrt, schloss die Haustür auf, ganz vorsichtig natürlich, und legte meine Handtasche nahezu geräuschlos auf den Schuhschrank – dort lag auch schon das Objekt meiner Begierde. Ich schnappte mir die Zeitung und versuchte, am Wohnzimmer vorbei, unbemerkt die Treppen hoch, ins Bad, zu schleichen.
Sie saßen vor der Glotze, sehr gut.
Leider hatte ich in der Eile übersehen, dass meine Jüngste nicht dabei war. Sie kam mir auf halber Treppe entgegengerannt. „Mama, Mama, du musst gucken, was ich für ein Bild gemalt habe!“ Sofort stand auch mein Mann im Türrahmen.
Ich machte gute Miene zum bösen Spiel, nahm die Kleine freudig in die Arme.
„Marie, wir haben mit dem Abendessen auf dich gewartet“, sagte er und ich wusste, was das bedeutete: Ab in die Küche. Ich starrte auf meine Zeitung. „Komme gleich.“
Oben schaute ich mir Lydias Tulpen-Bild an und klemmte die JoyDivision widerstrebend ins Badregal. Vielleicht kam ich ja später dazu. Und wenn es beim Toilettengang war.
Doch das blieb ein frommer Wunsch. Wie immer. Wenn Mann und Kinder mal nichts wollten, kam die Katze. Und wenn die Katze versorgt war, kam die Nachbarin. „Haben Sie noch Eier? Der Eiermann vom Markt ist verschollen – ich meine, so richtig, da war schon ein Artikel in der Tageszeitung – haben Sie den nicht gelesen? Sollten Sie mal, das ist echt fürchterlich.“
Irgendwie musste ich das ein für alle mal in den Griff bekommen. Mein Coach meinte jüngst: „Räumen Sie die Scherben in ihrem Leben auf, sonst sind Sie bald ein Burnout-Kandidat.“
Alles klar.
Werde ich tun.
Morgen.
Am nächsten Tag klickte ich auf diversen Seiten im Internet herum und versuchte, in weniger als fünf Minuten, Frustshopping zu betreiben.
„Das ist aber schwer, Marie! Was ist da drin? Eine Kanone?“ Mein Mann musste sich wirklich abplagen, den eine Woche später angelieferten Hermes-Karton in den Keller zu wuchten.
„Ist eine Überraschung!“, flötete ich und grinste in mich rein.
Im Untergeschoss angekommen fragte mein Mann, wann ich die Schiffstaue angeschafft hätte und ob ich mir ein Boot kaufen wolle?
Gehört auch zur Überraschung, dachte ich genüsslich.
Noch einen Tag später versicherte ich mich ein letztes Mal, dass die Katze draußen, der Mann in dem gelieferten eisernen Käfig im Untergeschoss und die Kinder sicher gefesselt auf dem Dachboden lagen.
Wie eine Königin lag ich in meiner Badewanne.
Endlich JoyDivision-Zeit.
Das hatte ich mir wirklich verdient!

2 Antworten auf „„Lesegasmus“-Challenge“

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