Terra incognita

Aus gegebenem Anlass … (Vorsicht, Insider-Witz)
…oder Die Suche des Autors nach … allem möglichen …

Terra incognita

Eine Kurzgeschichte zum Thema Jugendroman sollte sie schreiben. Wem das wohl eingefallen war? Und natürlich war es eilig. 

Sie sah sich auf ihrem Schreibtisch um. Chaos pur.

Unter den Notizen zu ihrem Roman grub sie einen Bleistift aus. Na klar, die Mine war abgebrochen. Wo nur der Spitzer steckte?

Sie grübelte über das Thema nach, während sie die Laden der nebenstehenden Anrichte nach dem Spitzer durchwühlte. 

Was hatte sie mit Jugendromanen zu schaffen? Das war für sie komplett unbekanntes Terrain. Terra incognita, sozusagen. 

Keine Ahnung, was Jugendliche so lesen. Wenn die denn lesen. 

Gab es da noch diese Internatsgeschichten, wie zu ihren Kinderzeiten? Geschichten über Mädchen und Pferde. Oder Mädchen und Ballett.
Wie gerne hätte sie Bücher dieser Art verschlungen, als sie 11, 12, 13 Jahre alt gewesen war. Aber ihre Eltern hatten befunden, dass sei keine sinnvolle Lektüre für sie. Sie hatte sich damals Lesestoff wie diesen von ihren Freundinnen ausgeliehen. Und mit leisem Bedauern nach dem Lesen wieder zurückgegeben.

Was lasen Jungs eigentlich so in dem Alter? Entdeckergeschichten? Science Fiction? Abenteuer? 

Fünf Freunde, fiel ihr ein. Aber womöglich war das auch etwas für Mädchen, hatte ja eine Frau geschrieben. Die drei ???, das waren so Krimi-Geschichten, vielleicht eher passend für Jungs.

Der Spitzer blieb weiterhin verschollen, aber irgendwo musste da auch ein Kuli sein. Sie durchforstete den Schutt ihres Schreibtisches. Da kugelten jede Menge Karteikarten herum, beschriebene und unbeschriebene. Haftnotizen mit klugen Einfällen klebten auf der Tischplatte, teilweise übereinander. Eine Schere lag – halb geöffntet – unter dem Ausdruck eines Storyboards. Die Klammermaschine thronte gleich neben der Schreibtischlampe. 

Ein Fels in der Brandung, dachte sie amüsiert.

Wie ein Leuchtturm ragte die Schreibtischlampe neben dem Bildschirm des Computers empor und warf ihren Lichtkegel auf das Trümmerfeld ihrer Kreativität.

Weiter!

Sie wühlte ein wenig unter einem anderen Stapel Papier – Rechnungen –  wie sie wenig erfreut feststellte, und da war er! Glücklich zog sie den Kugelschreiber hervor.
Jetzt nur noch ein neues Blatt vom Haftnotizblock gezogen, pink! 

Und schon konnte es losgehen mit der Ideensammlung!

Jugendroman

schrieb sie ganz oben auf den Zettel.

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