Wenn …

Dies ist mein Debut in der BuchstabenWG. Lasst euch überraschen….

Wenn…

Wenn er endlich bald daheim war und dem Stau entronnen, dann kam für ihn der Moment der Wahrheit. Er würde Lena alles sagen. In Ruhe, mit den richtigen Worten, ganz vorsichtig. Damit sie begriff. Wie es um ihn stand. Wie er sich fühlte. Und warum er so nicht mehr weiterleben konnte in seiner Ehe. Sie würde ihn verstehen. Da war er sich sicher. Alles könnte gut werden. Irgendwie.

Die Kolonne kroch langsam vorwärts, begleitet vom wiederkehrenden Aufflammen und Verlöschen der roten Bremslichter.

Lena und er waren schon über 20 Jahre verheiratet. Da sah man vieles nicht mehr so eng. Vielleicht wäre sie  sogar froh , wenn er seine Bedürfnisse nun anderweitig befriedigte. Vielleicht  – er traute sich den Satz kaum zu Ende zu denken – vielleicht könnte sich seine Frau  an Andrea gewöhnen. Sie könnten einfach zu dritt weiterleben. Seine neue Liebe könnte neben ihm im Ehebett liegen, das war  groß genug. Und dann könnte er spätnachts Andrea all die Worte ins Ohr flüstern, die seine Frau nie hatte hören wollen. Schmutzige Worte. Schmutzige Worte, die zu schmutzigen Dingen führten. Aber seinem Schatz machten sie nichts aus, Andrea war zu allem bereit, und nie ungeduldig mit ihm – im Gegensatz zu seiner Frau. Aber nun müsste Lena sich nicht mehr mit seinen besonderen Gelüsten herumschlagen, sondern ihn einfach nur Andrea überlassen. Hoffnungsfroh malte er sich aus, dass die beiden sogar Freunde würden. Dann wäre seine Frau nicht den ganzen Tag alleine zuhause, sondern könnte mit Andrea reden. Sie könnten zusammen fernsehen, oder Lena könnte seinem Schatz all die langweiligen Geschichten von der Familie erzählen. Für Andrea wären sie neu. Andrea war gut im Zuhören.

Endlich kam die letzte Ampel in Sicht. Er blinkte links, zum Zeichen, dass er sich in die Abbiegespur einordnen wollte und ordnete sich in der Kolonne ein.

Er hatte Andrea über das Internet gefunden und sich sofort verliebt. All das, was er in sich in seinen geheimsten Träumen gewünscht hatte war nur ein paar Klicks entfernt gewesen. Eine Woche dauerte die Reise von Italien bis nach Berlin, aber dann endlich trafen sie einander zum ersten Mal. Sie hatten noch am selben Tag Sex in einem schmuddeligen, abgelegenen Hotel miteinander gehabt. Es war genau so, wie er es sich immer erträumt hatte.

Die Schlange aus Autos bewegte sich langsam vorwärts. Bei der nächsten Grünphase müsste auch er es über die Kreuzung geschafft haben.

Er fragte sich, ob seine Frau an Andrea Gefallen finden würde.  Der Gipfel des Glücks wäre für ihn ein Dreier. Seine neue Flamme hätte nichts dagegen einzuwenden, das wusste er, aber mit seiner Frau war das so eine Sache. Dabei hatte er Andrea auch in Hinblick auf Lenas optische Vorlieben ausgesucht. 

Er passierte die Kreuzung und bog in die Seitenstraße ein. Nun trennten ihn nur noch wenige Straßenzüge von seinem Zuhause.

Wie er sich darauf freute, seinem Schatz sein Zuhause zu zeigen! Endlich keine Geheimnisse mehr! Aber zuerst galt es Andrea und Lena miteinander bekannt zu machen. Er würde das Reden übernehmen müssen, soviel war sicher. Er würde Lena erklären, dass er sich ein Leben ohne seine neue Liebe  nicht mehr vorstellen konnte, und dass er Andreas wegen oft erst so spät nach Hause gekommen war. Ja, er würde seiner Ehefrau mutig von den Vorstellungen einer Ehe zu dritt erzählen.

Er bog nervös in die kleine Einfahrt vor dem biederen Einfamilienhaus ein und stellte den Motor ab. Aus dem Augenwinkel sah er, wie sich die Gardinen am Küchenfenster  im Abenddunkel bewegten. Kurz darauf öffnete sich die Haustüre und seine Ehefrau stand als dunkler Umriss in der Tür.

Sein Mund war trocken, das Blut rauschte in seinen Ohren. Nun war der Moment der Wahrheit gekommen. Denn dass Andrea bei ihnen einziehen würde war für ihn eine beschlossene Sache!

Mit klopfendem Herzen stieg er aus, ging um den Wagen herum und öffnete die Beifahrertür, um seiner Begleitung heraus zu helfen. Er hatte gestern extra noch frische Sachen besorgt, für einen guten ersten Eindruck. Lena war ja so schrecklich konservativ. Eine sommerliche Stoffhose und ein blütenweißes Hemd hatte er gewählt, das momentan bis zum Bauchnabel geöffnet war. Er liebte es, durch Andreas borstige, dunkle Brustbehaarung zu kraulen. Vorsichtig hob er Andreas Beine aus dem Auto, bevor er der lebensechten Sexpuppe unter den Arm griff und sie vom Sitz  hob.

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