Wie weit wirst du für Pudding gehen?

Dieser Oneshot wurde mithilfe einiger Keywords geschrieben, die mir diverse Leute über Twitter zugesandt haben. Die Keywords selbst sind im Text hervorgehoben.

And without further ado ~

Maria starrte das Datapad vor ihren Augen an. Alles war wie gewohnt verlaufen, doch dann hatte sich die sture Technik entschieden, heute mal ein zusätzliches Update herunterzuladen. Und das, wo gerade doch die kräftigen Schläge der Agenten gegen ihre Tür donnerten!

„Ihr Update ist abgeschlossen“, verkündete da die monotone Stimme ihres Pads, als auch schon die Tür aufflog. Instinktiv warf sie den Eindringlingen den ersten Gegenstand entgegen, den sie zwischen ihre Finger bekam. Dann sah sie nur noch ein gleißendes Licht und schon war alles vorbei.

Der Agent der Abteilung für Plotstartangelegenheiten pflückte sich wenig begeistert das Stück Pizza aus dem Gesicht. Dann legte er seine Waffe einfach auf dem Boden ab, machte auf dem Absatz kehrt und verließ den Schauplatz. Seine Arbeit hier war getan.

Als Maria erwachte, war sie so mal überhaupt nicht Frau der Lage. Alles drehte sich in ihr und sie hatte das dumpfe Gefühl, dass irgendwas aus dem Ruder gelaufen war. Sie öffnete die Augen und mit einem unglaublichen Gefühl der Erleichterung registrierte sie, dass noch immer die Sonne über ihr schien.
Im nächsten Moment saß sie aufrecht und betrachtete die Umgebung. Baum, Baum, Baum, Baum. Noch ein Baum. Wald, formte ihr Verstand daraus. Na, immerhin lag sie nicht splitterfasernackt auf einer Autobahn. Nicht, dass ihr das schon einmal passiert wäre.
Ein Geräusch ließ sie zusammenfahren. Es klang fast so, als würde jemand hinter ihr mit einem gespannten Bogen auf sie zielen. Maria drehte langsam ihren Kopf.
Jemand zielte mit einem gespannten Bogen auf sie. Aber was für ein Jemand! Ein ziemlich breitschultriger Mann mit Glatze und einem Gesicht, das so wirkte, als hätte es bereits als Türstopper gearbeitet, erwartete ihren Blick.
„Wo kommst du denn her?“, wollte der jetzt auch wissen.
„Ich hab keine verdammte Ahnung“, murmelte Maria, eher für sich selbst als für den Mann hinter ihr. Dann erinnerte sie sich an etwas. Eine Waffe, die sie für den Notfall immer bei sich trug.
„Aber ich bin unbewaffnet“, log sie.

Erleichtert aufatmend ließ der Mann den Bogen sinken und trat näher an sie heran. Als er gerade seine Hand vorsichtig auf die Schulter der Sitzenden legen wollte, verwandelte sich seine Kehle in einen Springbrunnen aus Blut.
Maria hielt den Gurkenhobel triumphierend in die Höhe.

„Seh ich vielleicht aus wie ein schwacher Einhornpups, Freundchen?“, knurrte sie den zuckenden Körper noch an.

 

16 Wochen später.

 

Maria hatte sich in der neuen Welt perfekt eingelebt. Anscheinend befand sie sich aus Gründen, derer sie nicht näher habhaft werden konnte, in einer mittelalterlichen Welt, in der es von Idioten nur so wimmelte. Mittlerweile waren es schon nicht mehr ganz so viele Idioten.

Sie hatte allerdings auch ein, zwei nette Leute kennengelernt, die ihr von der finsteren Herrschaft des Lord Pudding erzählen konnten. Natürlich war das nur ein Spitzname für ihn – man nannte ihn so, weil er es seinen Untertanen schon vor langer Zeit verboten hatte, auch nur die kleinste Menge Pudding zu konsumieren. Bei der Erwähnung einer solchen Regelung stieg in Maria die kalte Wut hoch – eine Welt ohne Pudding? Da musste doch etwas getan werden. Und wie gut, dass sie zufällig in dieser ungerechten Welt gelandet war.
„Vielleicht ist es an der Zeit, dass ich mich kurz vorstelle“, meinte sie gerade zu zwei Bauernjungen, die sie ohne jeden Zweifel vor einem Oger gerettet hatte und aus dessen Leiche noch der Schleim quoll.

„Ich bin Maria Stewart, gelernte Protagonistin und ihr tut gut daran, euch diesen Namen zu merken. Ihr braucht den später noch, wenn ihr für mich Feste ausrichtet, haben wir uns da verstanden?“
Und damit war sie auch schon weg. Ihr nächstes Ziel lag klar vor ihren scharfen Augen: Die Burg des bösen Lord Pudding.
Sie war noch nicht weit gekommen, da schlug plötzlich ein Bär aus dem Unterholz mit seinen Pranken nach ihr. Mit einem gekonnten Judowurf brachte sie ihn allerdings in Sekundenschnelle vor sich zu Fall und brach ihm mit ihrer Taschenlampe das Genick. Anschließend biss sie herzhaft ein großes Stück aus ihm heraus, denn sie war hungrig. Es gab schließlich keinen Pudding in diesen Landen, da konnte man schon mal hungrig sein.

Lord Pudding schritt unruhig in seinen Gemächern auf und ab, während ein Diener mit ängstlichem Gesichtsausdruck ihm ein Kurbeltelefon darbot.
„Eure Schwiegermutter, Sire.“
Mit einer Pinnwandnadel erdolchte Lord Pudding den Bedienten. Ein Arbeitnehmer weniger war deutlich leichter zu ertragen als dieses Telefongespräch. Warum hatte man das noch gleich erfunden? Ach, richtig. Ohne Pudding hatten die Menschen zu viel Zeit.

Mit einem ohrenbetäubenden Krachen wurde die Tür zu seinen Gemächern aufgestoßen. Eine blutverschmierte junge Frau stand dort und hielt die Köpfe seiner Wachen an den Haaren zusammengeknotet in einer Hand.

„Bist du der Typ, wegen dem es hier keinen Pudding gibt?“
„Pudding?“
„Hmhm.“
Er klatschte in die Hände. „Ihr habt sie gehört. Die Dame hat Hunger!“

Maria war verwirrt, aber das war ihr gleichgültig. Eben stand sie noch im Türrahmen, jetzt saß sie an einer langen Tafel und löffelte köstlichen Pudding, der ihr von gehorsamen Dienern aufgetischt wurde. Der Bösewicht ihr gegenüber begnügte sich mit einem Gericht aus Fliegeneiern.
„Willst du nicht vielleicht für mich arbeiten?“, fragte Lord Pudding da.
Maria kratzte sich mit einer Schuhputzbürste am Kopf.
„Klar, warum nicht. Da ich gelernte Protagonistin bin, wird ohnehin alles moralisch vertretbar, wenn ich damit anfange.“
Um ihre Behauptung zu untermauern, legte sie einem vorbeikommenden Diener Daumenschrauben an und drehte mit einem schiefen Grinsen zu.

Lord Pudding klatschte vor Begeisterung in die Hände. „Wunderbar!“ rief er aus.
„Würdest du gern noch meine Folterkammer besichtigen? Die ist gerade vom Prüfer neu abgenommen worden.“

Sekunden später standen sie in der Folterkammer.
„Und das hier ist unser Versuchsbrett. Darauf testen wir neue Dinge!“
Maria hatte wirklich schon interessanteren Referaten zugehört. Doch Lord Pudding merkte bereits, dass seiner neuen Kollegin die Motivation schwand und hielt ihr schnell eine Keksdose unter die Nase. Begeistert griff Maria zu.

 

Fünf Jahre später.

 

Maria Stewart, gelernte Protagonistin, betrat den Balkon der gerade neu errichteten Trutzburg. Mittlerweile kontrollierte sie allein die umgebenden Länder und hielt die Pudding-Verfügung weiterhin aufrecht. Eigentlich hätte auch Lord Pudding hier neben ihr stehen sollen, doch der Arsch kam eines Tages auf die Idee, man könnte ja vielleicht heiraten. Daraufhin war er dann eines schönen Tages an einem besonders heftigen Anfall von Herpes verstorben. Eine wirklich tragische Geschichte.

Aber sie wollte sich nicht den Tag damit vermiesen, ewig an diesen Griesgram zu denken.
Sie klatschte in die Hände. „Johann, bringe er den Käsekuchen!“ Es war Zeit für ihr Frühstück.
Dann ließ sie ihren Blick über die Wälder und Täler hinausschweifen. Vor einem Jahr hatte sie die Anfrage einiger Agenten erhalten, ob sie nicht zurück in ihre eigene Welt wollte. Sie hatte sie nur fragend angeblickt und anschließend in Pudding ertränken lassen.

Pustekuchen!

 

 

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